Die Austria, die Juden, das Vergessen

  • Bei allem Respekt hat der Herr Bonvalot mE eine Art Mission... nicht untypisch dabei, dass er groß das auch gestern gezeigte Bild mit dem alten USt-Transpi bringt, das schon jahrelang nimmer im Stadion erlaubt ist... und die Seite Ostkurve statt Ustkurve ist teilweise auch mit Vorsicht zu genießen, da sie sehr schnell urteilen und schon Unbeteiligte diskreditieren wollten... so löblich die Absichten sind, nur der Vollständigkeit halber...


    Der Abend gestern war wirklich hochinteressant. Kopiere jetzt einfach rein, was ich für einen Freund aus OÖ, der nicht dafür anreisen konnte, kurz zusammengefasst habe...


    Die Vorlesung war analog zu einem Fußballspiel dreiteilig (nein, nicht mit 3. HZ, sondern HZ-Pause :biggrin:).
    Im ersten Teil wurden die Teilnehmer der Studie vorgestellt und die wissenschaftlichen Methoden erläutert. Der Verein hat die Arbeit stark unterstütz
    t, ist aber nicht Auftraggeber der Studie, die aus dem universitären Umfeld (Sportwissenschaften) entstand. Bei der Arbeit mit dem Thema insgesamt zeigte sich, dass alle Vereine mit einer Ausnahme daran sehr interessiert sind - mit einer Ausnahme, die keine große Überraschung ist, Red Bull.


    Weiters wurde darauf eingegangen, dass das Umfeld des Sports entgegen üblicher Annahmen kein Spiegel der Gesellschaft ist, aber gesellschaftliche Entwicklungen quasi vorweg nimmt. QUED, würde ich sagen. *)
    Es ist aus wissenschaftlicher Sicht auch falsch, dass der Sport unpolitisch wäre oder sein kann.
    *) mE ergeben sich daraus präventive gesamtgesellschaftliche Möglichkeiten..


    Im zweiten Teil wurden vier Menschen mit ihren Biografien vorgestellt und deren Verlauf im Kontext der NS Zeit beleuchtet. Einer davon wurde verschleppt und ermordet.
    Grundsätzlich beschränkte sich das Regime auf Austausch der Funktionäre, die mehrhei
    tlich nichtjüdischen Spieler blieben. Nicht nur bei uns wurde ein hochrangiger NS Kader im Vereinsvorstand platziert. Das gab dem Regime Kontrolle, aber auch dem Verein eine Art Schutz.
    Der Vereinsname wurde geändert, nach wenigen Monaten aber wegen des Bekanntheitsgrades wieder zurück geändert.


    Im dritten Teil gab es eine moderierte Diskussionsrunde (1 wissenschaftlicher Mitarbeiter, 1 Journalist und 1 Politiker), bei der auch das Publikum Fragen stellen konnte.
    Armin Thurnher prägte dabei den interessanten Begriff der Oligarchisierung des F
    ußballs, den Rückgang der politischen Einflussmöglichkeiten (billige Gründe, Förderungen, Sportprogramme, ..) bei zunehmendem Gewicht des Geldes. Auch das unterstützt für mich die These der Vorwegnahme gesellschaftlicher Entwicklungen.


    Das Buch ist sehr schön und hochinteressant beim ersten Hineinschauen. Hab's noch nicht gekauft, da ich mir wegen der relativ kleinen Schrift unsicher war (man wird ned jünger). Die vorhandenen Exemplare waren aber schnell ausverkauft. Preis 30 EUR.


    Und noch ein Link zu einer Rezension: http://www.oepb.at/allerlei/fk…Y8d9uFp3i6aJ5CiZeyMfeglFw


    :)

  • https://derstandard.at/2000094…ntifaschistische-Maerchen


    Ausgerechnet auf eine Propagandaveranstaltung der Nationalsozialisten bezieht sich ein zentraler Sindelar-Mythos. Kurz nach dem "Anschluss" 1938 trafen die frühere österreichische und die deutsche Nationalmannschaft im "Versöhnungsspiel" aufeinander. Matthias Sindelar erzielte ein Tor, das Team in den roten Dressen gewann 2:0. Als er neun Monate später verstarb, waren weitere Zutaten für die Mythenbildung vorhanden, die lange die "Arisierung" eines Kaffeehauses durch Sindelar überdecken konnte. Erst ab 2003 kam der Mythos durch die Sindelar-Debatte etwas ins Wanken. An der Diskussion unter Journalisten und Historikern war David Forster zentral beteiligt, der im selben Jahr die Serie "Fußball unterm Hakenkreuz" im ballesterer ins Leben gerufen hatte. Er forschte weiter, veröffentlichte journalistische und wissenschaftliche Beiträge und hielt Vorträge zu dem Thema. 15 Jahre nach dem Beginn der Debatte zieht er ein leicht resigniertes Resümee. "So viel haben wir nicht weitergebracht", sagt er.

  • https://derstandard.at/2000094…ntifaschistische-Maerchen


    Ausgerechnet auf eine Propagandaveranstaltung der Nationalsozialisten bezieht sich ein zentraler Sindelar-Mythos. Kurz nach dem "Anschluss" 1938 trafen die frühere österreichische und die deutsche Nationalmannschaft im "Versöhnungsspiel" aufeinander. Matthias Sindelar erzielte ein Tor, das Team in den roten Dressen gewann 2:0. Als er neun Monate später verstarb, waren weitere Zutaten für die Mythenbildung vorhanden, die lange die "Arisierung" eines Kaffeehauses durch Sindelar überdecken konnte. Erst ab 2003 kam der Mythos durch die Sindelar-Debatte etwas ins Wanken. An der Diskussion unter Journalisten und Historikern war David Forster zentral beteiligt, der im selben Jahr die Serie "Fußball unterm Hakenkreuz" im ballesterer ins Leben gerufen hatte. Er forschte weiter, veröffentlichte journalistische und wissenschaftliche Beiträge und hielt Vorträge zu dem Thema. 15 Jahre nach dem Beginn der Debatte zieht er ein leicht resigniertes Resümee. "So viel haben wir nicht weitergebracht", sagt er.


    Ich habe ja auch recherchiert und es in meinem Sindelar-Buch veröffentlicht. Meine ganz persönliche Meinung dazu ist, dass Sindelar einfach nur ein Opportunist war wie die meisten Wiener damals. Ein ganz einfacher Mensch, der von seiner damaligen Position und Berühmtheit profitiert hat und genau wusste, dass seine Zeit als Fußballer vorbei war. Vermutlich war das auch der Grund, der deutschen Nationalmannschaft abzusagen, wobei Herberger mit ihm wahrscheinlich eh nicht mehr viel anfangen konnte, denn der Spielstil der deutschen Mannschaft war ein anderer. Aber da sind wir genau wieder bei den Vermutungen, die einen großen Anteil an der Geschichte rund um Sindelar ausmachen.


    Die Wahrheit wird man nie mehr erfahren.


    Was bleibt ist ein herausragender Fußballer, möglicherweise der größte seiner Zeit auf der Welt. Und dass er Violetter war.


  • Eine wunderbare Geschichte, wo ich wieder ein paar neue Dinge erfahren konnte. Ich hatte ja das Glück, mit Dr. Schwarz 1965 (?), als die Austria mit Schwechat kooperierte, kurz bei einer Generalversammlung in Schwechat zu sprechen. Ich empfahl ihm bei der Gelegenheit Heli Köglberger als Spieler für die Austria. Er konnte aber mit dem damals noch weitgehend unbekannten Spieler, der ja noch bei Amateure Steyr spielte, nichts anfangen.

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