Als ein Tuchhändler die Fußball Liga erfand.

  • Auf den teutonischen Torwart-Titan Oliver Kahn geht die Einsicht zurück, dass Fußballer dauernd unter „enormem Druck“ stehen. Vermutlich ahnte der Keeper selbst kaum, wie nah er den Ursprüngen des Spiels damit kam: Alles begann, als im England des 18. Jahrhunderts Eliteschüler einer Schweineblase nachjagten, um nicht unter dem Druck zusammenzubrechen, der pubertierende Jungs alle möglichen Dummheiten fabrizieren lässt.


    Dass Fans die englische Premier League nach diesen Anfängen heute noch bewundern für ihre Athletik, Härte und Geschwindigkeit, verdanken sie einem Mann, der früh die Notwendigkeit eines geregelten Spielbetriebs sah: William McGregor (1846–1911) initiierte am 22. März 1888 eine Liga, die dem Sport feste Termine geben sollte.


    Privat handelte der gebürtige Schotte zu einer Zeit mit Stoffen, als britisches Tuch weltweit ohne Konkurrenz war. Nachdem er nach Birmingham gezogen war, kam er in den 1880er-Jahren in Kontakt mit dem dortigen Club Aston Villa, dessen Präsident er bald wurde. Von dort aus hievte er sich an die Spitze der englischen Football Association (FA).


    Das war ein bedeutender Posten im viktorianischen Zeitalter, das sich bekanntlich zur Aufgabe gemacht hatte, jede Sexualität weg zu zivilisieren – sei es mit Schnaps, sei es mit Stockschlägen, sei es mit bodenlangen Tischdecken, damit niemand die Beine sah und womöglich auf zu fröhlichen Gedanken kam. Da Ersatzhandlungen für die männliche Triebabfuhr bereitzustellen, darf man als Werk eines Samariters bezeichnen.


    McGregor persönlich sah die Dinge wohl prosaischer. Ihn ärgerte die Tatsache, dass die Clubs, die ihren Spielern durch lukrative Freundschaftsmatches bereits Löhne zahlten, häufig einen wirren Terminplan bewältigen mussten: „Jedes Jahr wird es für Fußballvereine aller Stärken schwerer und schwerer, Freundschaftsspiele zu absolvieren oder diese sogar nur zu vereinbaren. Die Folge ist, dass die Klubs aufgrund von Kollisionen mit den Pokalwettbewerben in letzter Minute häufig zu Duellen mit Gegnern gezwungen werden, die das Publikum nicht anziehen.“ Eine Überlegung, die sich wie mitten aus dem Hier und Jetzt liest, wo das Überangebot den geneigten Konsumenten sich oft übersatt vom Fernseher abwenden lässt.


    Im Jahr 1888 zeigte sich bei einer Zusammenkunft am 22. März schnell, dass die Clubs aus dem Süden Englands zunächst kein Interesse an der Neuerung hatten. Das lag nicht zuletzt in der Bezeichnung für die Liga begründet: Der Tuchhändler wollte sein Kind „The Association Football Union“ taufen, doch das war vielen Beteiligten begrifflich zu nah an der Konkurrenzveranstaltung Rugby Football Union.


    Wie herzlich die Abneigung der Vertreter beider Sportarten auf der Insel war und ist, illustriert ein Sprichwort aus dem Rugby-Lager: Fußball sei vielleicht ein Sport für Gentlemen, werde aber von Hooligans gespielt, während Rugby zwar ein Spiel für Hooligans sei, dem sich aber ausschließlich Gentlemen widmeten.

    Die Entscheidung fiel schließlich im April zugunsten von „The Football League“ – obwohl McGregor sie gar nicht mochte. Sie klang ihm zu sehr nach der unpopulären „Irish Land League“. Ein schönes Beispiel dafür, dass Funktionäre ihr Funktionieren offenbar zu allen Zeiten von recht eigenen Gesetzen abhängig machen.

    Im September 1888 nahmen zwölf Vereine den Spielbetrieb im Ligafußball auf, darunter auch Aston Villa. Den beispiellosen Siegeszug des Sports um die ganze Welt erlebte McGregor nicht mehr. Es wäre interessant zu erfahren, wie ihm das sinnentleerte Dauergekicke gefallen würde, das seine Nachfolger als Funktionäre den Freunden des Spiels eingebrockt haben.

    Wir galten als 'Judenklub', heute gibt es rechte Parolen. Das können keine Fans sein, weil sie sich gar nicht mit der Geschichte der Austria befasst haben. Das hat mit dem Sport und der Austria nichts zu tun (Herbert Prohaska)

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