Ein Spieler, der in einem WM-Finale getroffen hat, in der Österreichischen Liga? Da denkt man zuallererst an den Argentinier Mario Kempes, der von Avanti-Boss Nouza zuerst zur Vienna geholt wurde und später auch in Krems und St. Pölten spielte. Doch es war die Austria, die als erstes österreichisches Team einen Final-Torschützen in ihren Reihen hatte.
Die Rede ist vom Ungarn Zoltan Czibor. In Kaposvar, Südwest-Ungarn geboren, wuchs er in dem kleinen Kurort Komarom nahe der Stadt Tatabanya auf. Als man sein Talent entdeckte, holte ihn erst Ferencvaros, später Honved Budapest, wo seine Mitspieler keine geringeren als Ferenc Puskas und Sandor Kocsis waren, mit denen er 1952 den Olympiasieg für Ungarn holte. Das ungarische Nationalteam war 2 Jahre unbesiegt, ehe es ausgerechnet im WM Finale 1954 im Berner Stadion Wankdorf der deutschen Elf 3:2 unterlag.
In diesem Spiel soll er auch einen Jugendfreund wieder getroffen haben, den "Donauschwaben" Josef "Jupp" Posipal, mit dem gemeinsam er in Lugosch bei Temesvar die Schulbank gedrückt haben soll, der in Kriegszeiten nach Deutschland ging und mittlerweile für die Herberger-Elf kickte. Die Geschichte ist gut, jedoch nicht wahr, obwohl sie selbst im Deutschen Fußballmuseum immer noch erzählt wird. Posipal und Czibor sind nicht mal im gleichen Jahr geboren und Czibor war nie in Lugosch.
Im WM-Finale 1954 erzielte Puskas das 1:0, Czibor legte nach, eher bekanntlich die Deutschen sensationell das Spiel drehten und den Titel gewannen. Ausschlaggebend könnte, neben vermuteten Dopings, auch gewesen sein, dass Posipal, der deutsch, ungarisch und französisch sprach, alle taktischen Anweisungen des ungarischen Trainerteams und seines direkten Gegenspielers Czibor verstand und an Herberger weiter gab.
Nach 1956 flüchtete er nach Spanien und schloss sich dem FC Barcelona an, die auch noch die Exil-Ungarn Kubala und Kocsis unter Vertrag hatten. Im Pokal der Landesmeister unterlagen die Katalanen 1961 Benfica Lissabon, die von einem ungarischen Trainer, dem späteren österreichischen Teamchef und Austria Sportdirektor Bela Guttmann betreut wurden. Wieder war der Austragungsort das Wankdorfstadion in Bern, wieder traf Czibor, wieder ging das Spiel 3:2 verloren.
1963 vermeldete die Arbeiterzeitung auf der Titelseite (!), dass sich Zoltan Czibor auf der Anreise nach Wien befände, um an einem Spiel von Wacker Wien gegen Red Star teilzunehmen. Anschließend wollten die Meidlinger den Ungarn verpflichten. Alleine - der kam nie an. Stattdessen präsentierte der Vizepräsident von Austria Wien, Joschi Walter, Zoltan Czibor als Neuzugang.
Wacker Wien schäumte, der Transfer warf aber auch in anderer Hinsicht Fragen auf, war Czibor doch der fünfte Ausländer im Team der Austria, wobei nur 3 zugelassen waren. Egal, Czibor wurde ins kalte Wasser geworfen und bei einem Freundschaftsspiel gegen Sofia im Praterstadion vor 20.000 Zusehern präsentiert. Neben ihm spielten noch 2 weitere Ausländer das erste Mal für die Violetten, der Brasilianer Attilio und der Jugoslawe Kiss, zusätzlich zum Saarländer Paproth und einem weiteren Brasilianer, "Murl" Jacare. Dass das nicht gut gehen konnte, hätte eigentlich klar sein müssen, die Austria präsentierte sich uneingespielt, geradezu chaotisch und unterlag 0:2. Czibor war körperlich komplett unfit und musste zur Pause ausgetauscht werden.

Von ihm ist nur noch ein weitere Einsatz bekannt, im Staatsliga-Spiel gegen WAC, danach wurde sein konditioneller Zustand von Trainer Frühwirth neu bewertet und von weiteren Einsätzen Abstand genommen. Dennoch muss man ihn zu jener Mannschaft zählen, die 1962/63 den Meistertitel für Violett holte.
Zsibor tingelte noch ein paar Jahre durch die Weltgeschichte, eröffnete in Spanien ein Beisl und kehrte im Alter, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nach Ungarn zurück, wo er 1997 in Györ starb.
Im Anschluss verschärfte die Staatsliga die Transferregeln, es durften lediglich 2 Ausländer verpflichtet werden und Transferfenster waren einzuhalten.
Und wieder mal sah die Presse die Zukunft des österreichischen Fußballs in Gefahr.
Recherche/Text: violetchris; Screenshots: Archiv der Arbeiterzeitung