Als überall Fußball gespielt wurde, nur nicht in Wien

  • Ostern 1933. Überall gibt es Fußballspiele und -turniere. Überall? Nein, denn ganze 26 (!!!) Wiener Fußballvereine haben die Stadt verlassen, um in der Provinz oder dem Ausland zu kicken. Admira Wien gewann in Amsterdam vor 20.000 konsternierten holländischen Zuschauern gegen Ajax 8:0, Slovan und Simmering begaben sich in die Tschechoslowakei, der WAC nach Ungarn, Sportklub kämpfte in Brüssel, FC Wien in Lüttich, Vienna und Raputt in Antwerpen, Libertas (später mit Red Star fusioniert) in Luxemburg und die Hakoah sogar in Algier, Algerien. Unsere Austria tourte nach Dresden (7:4, Hattrick Sindelar), Essen und Krefeld und kehrte erst am Dienstag nach Ostern "um 21:55 Uhr mit der Franz-Josefs-Bahn", wie das Sport-Tagesblatt ankündigte, nach Wien zurück.

    Dass alle Wiener Teams jene Turniere, an denen sie teilnahmen, auch gewannen, unterstreicht die Bedeutung des österreichischen Fußballs zu dieser Zeit.

    Bevor Admira Wien in die Niederlande reiste, legten die Jedleseer einen Zwischenstopp in Neunkirchen, Saargebiet (später Saarland) ein. Dort ereignete sich Anfang 1933 eine unvorstellbare Katastrophe. Der dortige 72m hohe Gasometer explodierte infolge von Wartungsarbeiten. Die Explosion soll noch 200km entfernt hörbar gewesen sein und forderte 68 Tote und hunderte Verletzte, zerstörte 65 Wohnhäuser und Teile der Infrastruktur Neunkirchens. Ein Augenzeuge berichtete: Es "stand auch an diesem Tag gegen 18.00 Uhr meine Mutter am Herd und rührte den Kakao. Mein Bruder, drei Jahre, und ich, sieben Jahre, standen um den Herd herum, schauten zu und freuten uns auf das Abendessen. Plötzlich gab es einen entsetzlichen Knall, wir alle wurden durch die Erschütterung und den starken Druck zu Boden gerissen. Von überall her hörte man Schreie, die Sirenen heulten ununterbrochen. In unserem Haus waren 29 Fensterscheiben und einige Türen kaputt." Panisch flüchteten die Menschen in die Wälder außerhalb Neunkirchens, während hunderte Feuerwehr- und Rettungskräfte im Einsatz waren, um Brände zu löschen und Menschen zu bergen.

    Eine internationale Hilfswelle rollte an und um Spenden zu sammeln, gastierte Admira Wien für 2 Benefizspiele, gegen eine Saargebiets-Auswahl (3:1) und Borussia Neunkirchen (2:1), im Saarland.

    Das Sport-Tagesblatt hatte einen eigenen Korrespondenten vor Ort, der den Spielbericht nach Wien "kabelte", besonders das Stürmerduo, die Wunderteam-Spieler Schall und Vogl lobte, aber auch das "energische Angehen" des Gegners kritisierte. Über die Spieler der Saarländer wusste er nichts zu berichten.

    Umgekehrt konnte der Kicker den Saarbrückener Conen hervorheben, der für die Saargebiets-Auswahl das 0:1 erzielte. Gemeint war Edmund Conen, der 1934 in Italien als erster Spieler der WM-Geschichte einen Hattrick erzielen konnte.

    Sportlich konnten die Saarländer stolz auf die knappen Niederlagen sein. Noch 50 Jahre später stand in einer Festschrift geschrieben: Das erzielte Ergebnis war „das Beste gewesen, was den Gegnern Admiras auf der Osterreise 1933 (nach Frankreich, Deutschland, Belgien und Holland) gelungen war.“

    Eine weitere Zeitung schrieb: „Die Hauptsache ist, dass das Spiel, in jeder Hinsicht auf einer beträchtlichen Höhe der Fußballkunst stehend, seinem pietären Zweck durchaus würdig war und daher allen Erschienenen noch lange in dankbarer Erinnerung bleiben wird“.

    Wir haben eine überragende Mannschaft und mit Abstand die besten Fans in Österreich. (Carina Wenninger)

    Einmal editiert, zuletzt von violetchris (29. Mai 2026 um 16:20)

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