Quelle: orf.at
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http://www.orf.at/stories/2026760/2026770/
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„System durch Banken zerstören“
Wochenlange Streiks und Protestkundgebungen in Frankreich gegen die Pensionsreform von Präsident Nicolas Sarkozy haben nichts genützt. Das Gesetz wurde Anfang November beschlossen. Demonstrationen auf der Straße haben wenig Sinn, ist der ehemalige Fußballstar von Manchester United, Eric Cantona, überzeugt. Vielmehr müsse man das „System durch die Banken zerstören“.
Damit löste der mittlerweile ins Schauspielfach gewechselte Ex-Fußballer eine internationale Solidarisierungswelle aus. Begonnen hat die politische Protestbewegung gegen die Banken mit einem Interview mit Cantona in der französischen Regionalzeitung „Presse Ocean“ Anfang Oktober. Das Gespräch wurde auch gefilmt. Auf YouTube sorgt das Video mittlerweile international für Furore.
Darin hielt Cantona die Demonstrationen auf der Straße für wenig zielführend. Es sei wichtig, sich zu verteidigen, aber man werde nicht zu den Waffen greifen und Menschen töten. Die Revolution sei heute einfacher: „Das System ist auf der Macht der Banken gebaut. Also kann es auch durch die Banken zerstört werden. Gehen drei Millionen Menschen nicht auf die Straße, sondern ziehen sie ihr Geld aus den Banken ab, werden diese zusammenbrechen“, zeigte sich Cantona überzeugt. Dieser Protest werde eine „soziale und ökonomische Revolution“ auslösen.
Nach wie vor Rebell
Rebellisch war der ehemalige Fußballprofi schon immer, brachten den Franzosen doch erst seine Auseinandersetzungen mit der französischen Fußballszene nach England und dort bei Manchester United in die Starliga. Immer wieder sorgten aggressive Ausfälle für Aufregung. Anfang 1995 etwa wurde er für mehrere Monate als Spieler gesperrt, nachdem er einen Zuschauer während eines Spiels in Karatemanier attackiert hatte.
Ruhig ist Cantona auch als pensionierter Fußballer nicht geworden. Statt auf Gewalt setzt er nun bei seinen Protesten offenbar auf mehr Raffinesse. Die Idee des Sturms auf die Banken wurde in Frankreich von der StopBanque-Bewegung aufgegriffen. Drei Franzosen starteten die Kampagne. Am 7. Dezember soll koordiniert das Geld von den Banken abgezogen werden.
Internationale Bewegung
„Die Banken sind nur groß, weil wir auf Knien sind“, schrieben die Initiatoren der „Bankrun 2010“-Kampagne, die belgische Filmemacherin Geraldine Feuillien und der französische Schauspieler Yann Sarfati. Sie betonen aber, dass sie weder Anarchisten noch mit einer politischen Partei oder Gewerkschaft verbunden seien. „Wir sind nicht einmal eine Organisation. Wir dachten, dass das ein anderer Weg wäre zu protestieren“, heißt es im Kampagnenaufruf.
Die Initiative findet mittlerweile internationalen Anklang und verbreitet sich in Blogs und auf Facebook. Neben spanischen, italienischen und britischen Medien berichtete auch die türkische Zeitung „Hürriyet“ darüber. Auch auf Facebook wird von Albanien bis Tschechien darüber abgestimmt, wer an dem Bankenboykott teilnehmen wird.
„In jedem Sinne dumm“
Die Banken halten naturgemäß wenig von dem Aufruf. Das sei „in jedem Sinne dumm“, konstatiert etwa Valerie Ohannesian von der französischen Bankenvereinigung im Interview mit dem „Guardian“: „Eine der wichtigsten Aufgaben einer Bank ist es, Geld sicher aufzubewahren. Dieser Aufruf wird Dieben viel Freude bereiten, glaube ich.“ Sie bezweifelt auch die tatsächliche Anwendbarkeit der ursprünglich von Cantona formulierten Idee: „Wenn Herr Cantona sein Geld aus der Bank holen wird, kann ich mir vorstellen, dass er einige Koffer dafür brauchen wird.“