Eine violette Ikone (vulgo Wichtigtuer) meldet sich zu Wort:
"Es gab keinen Plan B"
Was nun, Herr Stickler?
Am Dienstag ist für ÖFB-Präsident Friedrich Stickler die schlechte Nachricht aus Deutschland gekommen. "Ich habe mit Stickler und Generalsekretär Ludwig telefoniert und abgesagt", ließ Ex-Schalke-Trainer Mirko Slomka ausrichten.
Nach dem Rückzieher von Josef Hickersberger, der nach der EM zunächst die Bereitschaft zum Weitermachen erklärt hatte, der nächste Nackenschlag für die ÖFB-Granden. Denn Slomka galt als erklärter Wunschkandidat bei einer ausländischen Lösung.
Österreichs Rekordtorjäger Toni Polster, der sich mit 44 Treffern in 95 Länderspielen in die Bestenliste kanonierte, übt im Interview mit ORF.at harte Kritik an der Pleiten-, Pech- und Pannen-Serie bei der Suche nach einem Hickersberger-Nachfolger.
ORF.at: Josef Hickersberger will nicht mehr, und nach der Absage von Mirko Slomka heißt es wieder zurück an den Start. Was sagt Österreichs Rekordtorjäger zur Teamchefsuche?
Toni Polster: Das ist alles ein bisschen unglücklich. Pepi Hickersberger hat eigentlich mehrmals signalisiert, dass er nach der EM nicht unbedingt weitermachen wird. Dennoch war man trotzdem überrascht und nicht vorbereitet bei der Suche nach einem Nachfolger. Nun naht aber das Länderspiel gegen Italien und die folgende WM-Qualifikation. Die Zeit läuft davon.
ORF.at: Kann Toni Polster den berühmten Plan B erkennen, der angeblich für den Fall des Endes der Ära Hickersberger fertig bereitlag?
Polster: Plan B gibt es keinen und hat es nie gegeben. Das kann man jetzt ganz klar sehen.
ORF.at: Was ist eigentlich das Problem bei der Suche nach dem Teamchef?
Polster: Es reden viel zu viele Leute mit. Jeder kocht sein eigenes Süppchen und betreibt sein eigenes Machtspiel. Natürlich verzögert das die Entscheidung. Es schaut so aus, als ob 19 Leute daran beteiligt sind, und jeder Einzelne will seinen Kandidaten durchbringen. Das ist ein Unding und kann nicht sein.
ORF.at: Wie ist dabei die Rolle von ÖFB-Präsident Friedrich Stickler?
Polster: Es ist nicht sein Ding. Er kennt sich im Fußball wenig aus. Der Präsident wird fremdbestimmt von den Landespräsidenten. Das ist eine Sache, welche die ganze Entscheidung erschwert.
ORF.at: Was macht er falsch?
Polster: Fakt ist, dass viel zu spät reagiert wurde. Ich habe schon gesagt, dass es für jeden erkennbar keinen fertigen Plan B in der Schublade gegeben hatte. Dann waren nach dem Hickersberger-Rücktritt aber plötzlich alle guten Kandidaten vom Markt weg. Wenn man dann auch noch zögert, die international üblichen Gagen zu zahlen, wird es noch schwerer. Ich wüsste nicht, warum der ÖFB kein Geld haben sollte.
ORF.at: Wer soll nun Teamchef werden?
Polster: Es wird wohl der Andi (Andreas Herzog, Anm.) werden. Ich gehe davon aus und halte viel von ihm. Ich befürchte nur, dass er bereits zu sehr in den Strukturen des ÖFB verstrickt ist.
ORF.at: Also doch eine ausländische Lösung?
Polster: Es wäre nicht schlecht, weil dann endlich mit der Klüngelei und der Freunderlwirtschaft in Österreich Schluss sein würde. Die Karten wären dann neu gemischt.
Das Gespräch führte Christian Tragschitz, ORF.at
http://sport.orf.at/080716-6823/index.html