Dieser Frühling wird noch besonders heiß.
Das garantieren nicht die Meteorologen der Hohen Warte, sondern die Protagonisten in der österreichischen Fußball-Bundesliga.
Brennpunkte gibt es jedenfalls derzeit genug:
TV-Vertrag
Schon zu Jahresbeginn war die Liga nicht ganz im Bilde. Zuerst einigte sie sich mit ihrem bestehenden TV-Partner Sky auf ein Pay-TV-Paket, erst danach wollte sie die Free-TV-Rechte ausschreiben. 18 Klubs waren zunächst damit einverstanden - bis
Rapid mit dem LASK im Schlepptau auf die Barrikaden stieg und eine
Neuausschreibung für mehr Reichweite im Free-TV erzwang. Mit dem Zwischen-Ergebnis, dass immer noch nicht fest steht, ob der Mateschitz-Sender Servus TV plus ORF und Sky übertragen bzw. die gewünschten Summen zahlen werden.
Pyrotechnik-Gesetz
Die Liga geht als leuchtendes Beispiel voran: Sie erarbeitete mit den Klubs und mit Innenministerin Maria Fekter ein neues Gesetz, das mit 1. Jänner in Kraft getreten ist. Demnach ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern und Bengalen nicht nur verboten, sondern ein Vergehen wird auch strenger geahndet als in der Vergangenheit. Bisher erweist sich das Gesetz als viel Rauch um nichts.
Es qualmt und brennt in Österreichs Stadien, weil Fans unbeirrt Leuchtkörper entzünden. Zuletzt haben Spieler und selbst Klubs Verständnis dafür gezeigt. Pyrotechnik sei kein Verbrechen.
Jedoch ein Vergehen, wie die Bundesliga anmerkt. Sie erinnerte die Vereine in einem Schreiben vom 18. März an die gemeinsamen Beschlüsse und will die Sololäufe damit unterbinden.
Schiedsrichter
Die Unparteiischen pfeifen und wacheln sich vermehrt in den Mittelpunkt des Interesses. Assistent Alain Hoxha zeigte seinem Chef Gerhard Grobelnik im Wiener Derby einen umstrittenen Elfmeter für Rapid an, bei Sturm gegen Rapid bekam Referee Einwaller einiges zu hören. Dieter Muckenhammer traf bei einem Rückpass in der Erste-Liga-Partie Austria Amateure gegen Admira eine falsche Tatsachen-Entscheidung. Die leidtragende Admira protestiert - höchstwahrscheinlich vergeblich.
Der unbeteiligte Salzburg-Trainer Huub Stevens, selbst gerne im Clinch mit den Unparteiischen, schüttelt nur noch den Kopf: "Wenn ein Schiedsrichter nicht einmal weiß, dass man einen Ball mit dem Oberschenkel zurückspielen darf,
dann frage ich mich schon. Was ich hier in Österreich erlebe, dass ist unglaublich."
Privatfehde
Rapid-Präsident
Rudolf Edlinger nahm sich in dieser Woche ein Herz, dann Stift und Papier zur Hand und
wies Bundesliga-Präsident und Sturm-Chef Hans Rinner in einem Brief auf die
Unvereinbarkeit seiner Ämter hin. Der Hintergrund: Rinner hatte sich nach dem Spiel Sturm Graz gegen Rapid am Samstag über die Schiedsrichter-Leistung ausgelassen. Natürlich als Sturm-Präsident, wie der Steirer anmerkte. Er könne in solch heiklen Fällen seine Person und somit seine Ämter trennen.
Im österreichischen Fußball hat die Doppelfunktionalität an der Spitze allerdings schon Tradition. Auf Austria-Boss Frank Stronach folgte Mattersburg-Chef Martin Pucher. Jetzt darf sich Sturms Hans Rinner mit den üblichen Vorwürfen auseinandersetzen und bietet die nötige Angriffsfläche. Es wird nicht der letzte Brief von Rudolf Edlinger gewesen sein, der über den Wechsel in Richtung Graz flattert. Vielleicht entwickelt sich eine Brieffreundschaft in Zeiten der eMails. Die Post freut sich auf alle Fälle.
Artikel vom 25.03.2010 16:09 | KURIER | Alexander Strecha
http://kurier.at/sport/fussball/1989204.php