Schwarze Schafe in Schwarz-Weiß sorgen für Skandal
Alljährlich findet sie statt, nächste Woche ist es wieder soweit. Die
Organisation "FARE – Football Against Racism in Europe" ruft zur
Antirassismus-Woche im europäischen Fußball auf. Zahlreiche Fanprojekte
und Choreographien werden dem Rassismus die Rote Karte zeigen.
Ausgerechnet jetzt schocken einige LASK-Fans die österreichische
Fanszene.
Auf ihrer Internet-Seite präsentier(t)en sich Mitglieder des "Commando
Urfahr" bereitwillig in martialischer Pose, die rechte Hand zum
******-Gruß gen Himmel gerichtet (siehe Foto)
. Dem noch nicht genug, schienen sie es für einen lustigen Scherz zu
halten, dies ausgerechnet in Nürnberg zu machen – auf dem ehemaligen
Gelände des Nürnberger Reichsparteitags, das heute als Gedenkstätte
genutzt wird. Seit ein aufmerksamer User das Foto dem Fußball-Magazin
Ballesterer zuspielte, wurde die Homepage des "Commando Urfahr" vom
Netz genommen. "Sie haben das Ende des Internet erreicht", heißt es
jetzt, wenn man
www.commando-urfahr.at anwählt.
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Screenshot von der Homepage: "Blut und Ehre - LASK Linz Amateure"
Eindeutige Wiederbetätigung
So einfach, wie sich die Fanclub-Mitglieder das offenbar vorstellen,
wird der Vorfall aber nicht zu verbergen sein. Es gilt zu klären, ob es
sich bei besagtem Foto um einen strafrechtlich verfolgbaren Tatbestand
handelt. Laut Auskunft eines Mitarbeiters des Dokumentationsarchivs des
österreichischen Widerstandes (DÖW) handelt es sich hierbei nämlich um
einen eindeutigen Verstoß gegen das Wiederbetätigungs-Verbotsgesetzes.
Zudem handelt es sich hierbei ganz offensichtlich nicht um eine
Missinterpretation oder einen schlechten Scherz. Auf der Homepage wurde
auch der Slogan „Blut und Ehre – LASK Linz Amateure“ lanciert – ein
Sprachgebrauch, der ebenfalls in der rechtsradikalen Szene gebräuchlich
ist.
Hohe Strafandrohung
Ob und inwiefern die Täter zur Rechenschaft gezogen werden können,
liegt im Falle einer Anzeige aus der Bevölkerung im Ermessen der
zuständigen Behörden. "Wer sich im nationalsozialistischen Sinn
betätigt, wird, sofern die Tat nicht nach einer anderen Bestimmung
strenger strafbar ist, mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn
Jahren, bei besonderer Gefährlichkeit des Täters oder der Betätigung
bis zu 20 Jahren bestraft", heißt es in der Verbotsgesetznovelle von
1992 in Paragraph 3g der Bundesverfassung.
Braunauer Vorbild
Erinnerungen an einen ähnlichen Fall im Jahr 2005 werden wach, als sich
"Fans" des FC Braunau auf dem Gelände des ehemaligen
NS-Konzentrationslagers in Mauthausen bei Linz mit dem Römischen Gruß
ablichten ließen und das Foto ebenfalls öffentlich auf ihrer Homepage
im Internet präsentierten. Im Anschluss an die große Empörung in den
Medien und daraufhin auch in der Politik ermittelte die Staatspolizei
gegen die involvierten Personen. Überraschenderweise blieb das
Öffentlichkeits-Echo im aktuellen Fall noch größtenteils aus.
Fanszene im Aufruhr
Schwer wiegende Folgen könnten die Aktionen des „Commando Urfahr“ nicht
nur für die beteiligten Personen, sondern auch für die gesamte Fanszene
des LASK haben. Obwohl es sich beim aktuellen Vorfall natürlich nur um
eine ganz kleine Minderheit des Linzer Anhangs handelt, ist er dem
Image in der Öffentlichkeit freilich alles andere als zuträglich. Dazu
kommt, dass es erst vor wenigen Wochen das Fehlverhalten einer anderen
Fan-Gruppierung zu diskutieren gab.
Fortsetzung...
Beim Auswärtsspiel gegen die Wiener Austria wurde ein Transparent mit
der Aufschrift "Shalom" enthüllt. Ob es sich hierbei um einen gezielten
Untergriff auf die jüdische Vergangenheit der Austria, oder um eine
unbedachte Aktion einiger Jugendlicher handelte, ist noch immer
Gegenstand heftiger Diskussionen. Im Lager der LASK-Fans ist man sich
der Problematik derartigen Fan-Verhaltens zwar bewusst, will aber
nichts von einer Pauschalisierung oder Reduzierung auf die Linzer Szene
nichts wissen.
Fanbeauftragter: "Fanblock kann nichts tun"
"Ich will die Angelegenheit auf keinen Fall herunterspielen", ist
Wolfgang vom Linzer Fanclub "Legendär 04" bemüht, das Problem zu
begreifen, "aber meiner Meinung nach ist sie schwerstens überzeichnet."
Die Personen auf dem Foto kennt er in seiner Position als
Fanbeauftragter des Vereins natürlich, aber: "Sie sind nicht Teil des
Fanblocks. Wenn die in ihrer Freizeit nach Nürnberg fahren und dort den
******-Gruß machen, können wir gar nichts dagegen tun."
Spiegelbild der Gesellschaft
Die aktuelle Situation hätte auch bei jedem anderen Verein in
Österreich entstehen können, meint Wolfgang weiter. "Ein Stadion ist
das Spiegelbild unserer Gesellschaft. Da steht ein Top-Manager neben
einem Schwerstalkoholiker. Dass da immer wieder auch Typen dabei sind,
mit denen wir eigentlich nichts zu tun haben wollen, liegt leider in
der Natur der Sache." Die "typischen" Vorfälle, wie etwa rassistische
Diskriminierungen des Gegners, "werden im Fansektor keineswegs
geduldet."
Randgruppen rücken ins Licht
Ähnlich bewertet die Situation auch Martin vom LASK-Fanclub "Black
Buccaneers": "Das durch den Bundesliga-Aufstieg gesteigerte mediale
Interesse und die große Fluktuation in unserem Fanblock führen dazu,
dass sich Randgruppen produzieren wollen. Dabei gibt es natürlich auch
Personen mit rechtsextremer Einstellung. Wir wehren uns aber dagegen,
dass das ein Problem ist, das ausschließlich den LASK betrifft",
analysiert er und fügt an: "Unser Fanclub distanziert sich von
Extremismus jeglicher Art und speziell von Rechtsextremismus."
Lösung in Sicht?
Wie also umgehen mit der für alle Beteiligten unangenehmen Situation?
Eine Möglichkeit wäre freilich ein Statement des Fanblocks während der
anstehenden Antirassismus-Woche von FARE. Allerdings: "Dazu gibt es
keine Pläne. Wir glauben, dass damit das Problem nicht gelöst werden
könnte. Vielmehr müssen wir es an der Wurzel packen und nicht die
Öffentlichkeit zufrieden stellen", gibt Martin zu bedenken. Wolfgang
wiederum könnte sich eine gemeinsame Aktion vorstellen, "allerdings
haben wir in dieser Woche zwei Auswärtsspiele, womit das für uns
unmöglich ist."
Aus dem Stadion, aus dem Sinn
Wie auch immer die aktuelle Situation einer Lösung zugeführt wird, sie
bedarf jedenfalls einer grundlegenden Diskussion. Nicht nur beim LASK,
wo sie durch die Aktion des "Commando Urfahr" erzwungen wurde. "Das
Privatleben anderer Fans zu beurteilen, dafür sind nicht wir, sondern
andere Instanzen wie der Verfassungsschutz, die Polizei und die
Gerichtsbarkeit zuständig", meint Martin abschließend.
Es wäre tatsächlich an der Zeit, diese Personen aus dem Verkehr zu ziehen – nicht nur im Stadion.
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