Es gibt Szenen im Fußball, da weiß man sofort, dass sie den Weg in die
Geschichtsbücher finden werden. Der Weitschußkracher von Emin Sulimani
am Sonntag in Salzburg in der Nachspielzeit war so etwas Historisches.
29 Monate musste die Wiener Austria auf einen Sieg in der Bullen-Arena
warten, aber selbst in diesem großen Moment des Triumphes sind die
Gedanken geschärft. Und wie immer, dachte der Goldtorschütze auch an
diesem Abend zuerst an Gott. Seiner Religion streng folgend.
Sulimani, der albanische Wurzeln hat und Moslem ist, kommt aus einer
sehr gläubigen Familie. Demnach befolgt er auch alle wichtigen Gesetze
seiner Religion, betet jeden Abend, isst kein Schweinefleisch und hat
noch nie in seinem Leben einen Schluck Alkohol getrunken. Hätte es
gestern also einen Siegersekt gegeben, Sulimani hätte sicher
verweigert. Nicht nur das macht ihn zu einem Vorzeigeprofi, auch
ansonsten hat der 21jährige alle Vorzüge eines Musterknaben. Er ist
immer höflich und nett, drängt sich außerhalb des Feldes ungern in den
Mittelpunkt, läßt dafür lieber seine Füße sprechen.
Das hat
bisher recht gut geklappt, besser, als viele erwartet hatten, auch er
selbst ist überrascht, "dass ich schon auf so viele Einsätze gekommen
bin - bei Austria ist doch alles ganz anders als in Ried".
Wahrscheinlich auch die Glücksmomente. Nachdem das Leder im Kasten von
Timo Ochs gezappelt ist, schossen im 1.000 Gedanken auf einmal durch
den Kopf. "Es war mein zweites Tor für die Austria und ein großartiges
Gefühl in so einem wichtigen Spiel den goldenen Treffer gemacht zu
haben. Man fühlt sich wie in einer anderen Welt."
Eine ganz
andere Welt ist auch die Austria für ihn im Vergleich zu seinem Ex-Klub
Ried. "Hier habe ich erst gesehen, was richtiger Fußball ist." Mit
couragierten Auftritten will er sich auch weiterhin für die
Stammformation empfehlen, in Salzburg blieb er zunächst nämlich nur auf
der Ersatzbank. "Das war nach meiner schwachen Leistung in Linz gegen
den LASK aber klar. Ich habe mich selber über mich geärgert."
Umso mehr freut er sich jetzt. Die Angelrute hatten viele Klubs im
Sommer nach ihm ausgeworfen, letztendlich hat er sich aber für die
wahrscheinlich schwerste Aufgabe entschieden und bei der Austria
angeheuert.
"Einige hatten mir davor abgeraten. Ich wollte
es aber unbedingt versuchen und bin sehr froh, dass ich diesen Schritt
gemacht habe. Und ich kann sagen, dass alles nicht so ist, wie man mir
erzählt hat. Früher hat man nur immer gehört, dass die Mannschaft kein
Kollektiv ist und dass in der Kabine nichts miteinander gesprochen
wird. Die Zeiten müssen sich jetzt geändert haben, denn bei uns redet
jeder mit jedem sehr viel und es rennt auch der Schmäh. Ganz ehrlich,
es ist im positiven Sinn alles der absolute Wahnsinn." So wie am
Sonntag sein Weitschuß, wäre toll, wenn ihm am Donnerstag in Oslo beim
Rückspiel gegen Valerenga (2:0 / 19 Uhr / live in Premiere) noch so
einer auskommt, denn das wäre zu zwei Drittel die Miete für die
Gruppenphase.