Häupl: "Dieses Team kann Meister werden"
Der oberste Austria-Fan und Wiener Bürgermeister Michael Häupl im sportnet.at-Interview über die erste Saison nach Magna, die EURO 08, Matthias Sindelar und die sportliche Situation der Violetten.
In der Wiener Innenstadt wurde 69 Jahre nach seinem Tod eine Gedenktafel für Matthias Sindelar, einen der größten Fußballhelden der österreichischen Geschichte enthüllt. Diesen Event ließ sich auch der Wiener Bürgermeister und gewichtige Austria-Fan Michael Häupl nicht entgehen. sportnet.at bat ihn zum Talk über den "Papierenen" und "seine" Austria.
sportnet.at: Herr Bürgermeister, in etwas mehr als zwei Wochen beginnt die neue Bundesliga-Saison. Für die Austria das Jahr eins nach Magna. Wie sind Sie mit der Entwicklung des Klubs zufrieden?
Michael Häupl: "Ich bin mit der Situation bei der Austria so wie sie jetzt ist sehr zufrieden. Ich habe aber auch nicht herumgenörgelt, als Magna in äußerst großzügiger Form den Klub unterstützt hat. Ganz im Gegenteil! Ich habe gegenüber Frank Stronach und seinem Konzern auch jetzt noch ein Gefühl der Dankbarkeit. Das haben sie sich bei den Summen die investiert wurden auch verdient. Nun hat sich Stronach zurückgezogen. Das war eine neue Situation für den Klub die zu meiner vollsten Zufriedenheit gelöst wurde."
Ist das aktuell aufgestellte Budget ausreichend? Der neue Hauptsponsor wurde noch nicht präsentiert.
"Es gibt bei der Austria eine Fülle an Sponsoren. Mittlerweile eine breite Palette von 40 Unternehmen. Die Diversität ist sehr viel größer geworden. Ob sich ein Sponsor jetzt öffentlich deklarieren will und wann er dies tut, bleibt ihm überlassen. Das Budget der Wiener Austria ist völlig in Ordnung. Wir haben auf Anhieb sofort die Spiellizenz ehalten."
Würden Sie es befürworten, dass der neue Hauptsponsor auch wieder im Vereinsnamen aufscheint?
"Das ist eine rein geschäftliche Frage. Wenn es einen Sponsor gibt, der so ein hohes Finanzvolumen mitbringt, dass er es sich verdient im Klubnamen aufzuscheinen, ist das für mich in Ordnung."
Viele Spieler haben den Klub verlassen. Was sagen Sie zur Kaderplanung?
"Ich habe keine Probleme mit dem neuen sportlichen Konzept. Mit Karl Daxbacher wurde ein echtes Veilchen als Trainer verpflichtet. Das ist ein redlicher Mann, der mit jungen Leuten gerne arbeitet. Ich freue mich auf die neue Saison."
Wo sehen Sie die sportlichen Ziele?
"Das Ziel der Austria muss es sein, österreichischer Meister zu werden. Das ist ganz klar. Ein anderer Platz als der Erste ist schlecht. Mit dieser Mannschaft ist das möglich."
Themenwechsel. Was fällt Ihnen spontan zum Namen Matthias Sindelar ein. Was hat er für Wien geleistet?
"Das war der Fußballspieler Österreichs schlechthin. In der Zwischenkriegszeit des letzten Jahrhunderts war er der Motor und Regisseur der Austria und des österreichischen Wunderteams. Leider ist er unter fragwürdigen Umständen viel zu früh verstorben. Er hat sich eine Gedenktafel an seinem Sterbehaus verdient. Man soll ihn nicht vergessen."
Was waren seine größten Erfolge?
"Das waren unzählige. Mit dem Wunderteam hat er in den 1920er und 30er Jahren nahezu alle großen Fußballnationen besiegt. In Höhen die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Deutschland, Frankreich, Schweiz wurden weggeputzt. Das war großartig. Das Nationalteam wäre damals eine Weltmeistermannschaft gewesen."
Sindelar wurde auch "der Papierene" genannt. Warum?
"Weil man ihm unterstellt hat, dass er körperlich im Spiel keine so hohe Präsenz hat. Wenn man sich aber von alten Fans erzählen lässt oder sich alte Fotos ansieht, war das nicht der Fall. Das ist mehr ein Image als die seinerzeitliche Wirklichkeit."
Ist es nicht etwas spät für eine Gedenktafel? Er starb 1939!
"Ja das ist richtig. Doch besser spät als gar nicht. Wir werden das ausbügeln."
Ist die Gedenktafel erst jetzt möglich, weil die Magna-Zeit vorbei ist und sich die Austria wieder ihrer Wurzeln besinnt?
"Die Enthüllung der Gedenktafel hat mit Magna nichts zu tun. Von den Magna-Freunden hat sich nie jemand von der Klubvergangenheit distanziert."
Einen Sindelar könnte das jetzige Nationalteam gut gebrauchen.
"Den würde jedes Nationalteam brauchen. Momentan sind die gebackenen Brötchen eben um eine Spur kleiner. Obwohl ich mit dem ÖFB-Team bei dieser EURO 08 gar nicht unzufrieden bin. Diese Mannschaft hat Charakter und Zukunft. Das Potenzial ist vorhanden. Darauf muss aufgebaut werden. Österreich wird keinen zweiten Matthias Sindelar mehr bekommen. Genauso wie Brasilien keinen zweiten Pele mehr bekommen wird."
Sie wohnen nahe der Ottakringer Straße. Eine Hochburg türkischer und kroatischer Fußballfans während der EURO 08. Können Sie gut schlafen?
"Aber ja. Am 4. Juli, wenn alles wieder weggeräumt ist und die Wienerinnen und Wiener wieder mit dem Auto über ihre geliebte Ringstraße fahren können, werden wir mit Sehnsucht an die großen Fußballtage dieses einzigartigen Events zurückdenken."
Sie haben also Spaß an der EURO?
"Absolut. Ich finde es toll, wenn ich in der Fanzone spazieren gehe. Das ist super. Die Stimmung ist so smooth. Das gefällt mir. Und wenn ich mir die Polizeistatistiken ansehe, gibt es auf jedem Kirtag mehr Raufereien als derzeit während der EURO in Wien."
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