Mit Trauerflor werden Samstag die Austria-Spieler einlaufen - im Gedenken an einen Mann, den sie nicht mehr kannten, dem aber ein Extrakapitel in der hundertjährigen Klubgeschichte gebührt. Waldemar Graciano alias Jacare ist tot.
Er war mehr als nur einer, der in sechs Jahren 50 Tore für die Austria schoss. Er war der erste farbige Spieler in Österreich.
Auf Vermittlung einer Sportjournalistin hatte 1962 die Austria 250.000 Schilling gezahlt für einen Spieler, ohne ihn vorher gesehen zu haben. Weil es hieß, dass es sich um einen brasilianischen Hünen handle, griff man blindlings zu.
Sektionsleiter Pepi Argauer wollte ihn sofort wieder heimschicken, als in Schwechat ein 1,68 Meter kleines Bürscherl aus dem Flugzeug stieg. Ein einziges Training genügte zum totalen Meinungsschwenk. Jacare (zu deutsch Krokodil) stürmte im Blitztempo in die Herzen der Fans und wurde alsbald in Anspielung auf seine dunkle Hautfarbe liebevoll "Murli" genannt. Mit Murli unterschrieb er auch.
Er spielte später bei Vienna. Heiratete nach Tirol, wo er 1999 einen Schlaganfall erlitt. Als man ihn fand, hieß es, dass da halt so ein Schwarzer zu viel getrunken habe. Seither saß Anti-Alkoholiker Jacare im Rollstuhl.
Doch gleichgültig, ob ihm eine andere vorurteillose Erstdiagnose dieses Schicksal erspart hätte - die Zeiten waren und sind nicht mehr so frei von rassistischem Gedankengut wie in den unbekümmerten 60er-Jahren.
Damals hatte sich Jacare, als einmal wochenlang keine Prämien ausbezahlt worden waren, vor die TV-Kamera gestellt, seine Hosensäcke nach außen gekehrt und grinsend gesagt: "Heut bin i Doppel-Neger."
http://kurier.at/interaktiv/kolumnen/2056001.php