@ Pantera, weil´s mir gerade einfällt:
ich könnte mich nicht erinnern, daß uns damals (frühe 1980er) jemals ein Wirt oder eine Kellnerin NICHT das bestellte Bier, Wein, etc ausgeschenkt hätte ...
Auch im Geschäft gab es doch überhaupt keine Altersbeschränkung beim Alkkauf.
Die "reinen" Flat-Rate-Saufhütten gehörten natürlich streng kontrolliert bezüglich Alter der Konsumenten und bei Verfehlungen bestraft.
Allerdings sind die Geldstrafen so gering, daß ....
@damals... ist richtig, wobei sich viele Kids heute mit Bier und Wein eher selten aufhalten, da geht's (Saufclubs) direkt an Vodka, Tequila, etc.
Der Umdenkprozess bei denen, die daran verdienen (könnten), ist ein langsamer... während ich zB schon an einer Supermarkt-Kassa live erlebt habe, dass nicht nur die Plakate bez. Jugendschutz dort hängen, sondern tatsächlich zwei Kids (vor mir angestellt gewesen) mit einem vollen "Party Waggon", also Einkaufswagerl bummvoll mit Bierpaletten, Schnaps, etc., abgewiesen wurden, hatten wir auch schon den Fall, dass ein kleiner Wirt eine ganze Abschlussklasse des 1. Lehrjahres (also durchwegs Minderjährige und er kannte die Kids) ungeniert mit Tequila versorgt hat, bis Einer so bedient war, dass er die Rettung rufen wollte (wohl wissend, dass er dann fällig ist)... habe jedenfalls das Lehrlingsheim informiert, dass sie auf den nahegelegenen und gern besuchten Wirten ein Auge haben sollen...
Testkäufer, die von Kinderschutzorganisationen losgeschickt wurden, hatten in 90% der Fälle auch keine Probleme (die "Kaufstationen" dann zumindest ein informatives Gespräch)...
Ein praktischer Gradmesser ist oft das öffentliche Diskutieren von Kosten... so hatte man vor einigen Jahren die glorreiche Idee, nachdem die Rettungseinsätze zu juvenilen Alkvergiftungen stark angestiegen waren und entsprechend die Kosten explodierten, diese Kosten auf die Kids (bzw. deren Eltern) zu überwälzen... freundliche Hinweise darauf finden sich in Jugend-Infobroschüren und eine Überschlagsrechnung ergab, dass je nach Dauer des KH-Aufenthalts für 2 Tage (1 Übernachtung sind auch zwei Tage und normalerweise kommst unter 24 h nicht raus, plus Rettungseinsatz) rund 700 bis 1000 EUR zu berappen wären...
NUR... was lernen die Jugendlichen daraus, wie Jeder, der mit Jugendlichen zu tun hat, sofort vermuten wird? Nicht, dass sie weniger saufen sollen, sondern dass sie ihren Freunden einschärfen, auf keinen Fall die Rettung zu rufen, wurscht, wie's ihnen geht... inzwischen dürfte man da einen Trend erkannt haben, scheinbar (weiß ich nicht gesichert, aber von der Zielgruppe) gibt's inzwischen eine "Freivergiftung", also der erste Einsatz ist noch nicht zu bezahlen...
@Saufhütten... genau das meinte ich (und die wissen genau, dass ihre Klientel zu jung ist), wobei ich denen bei mehrmaligen Vorfällen zB für einen Monat die Lizenz entziehen würde, im weiteren Wiederholungsfall auch auf Dauer, anders lernt die Szene das nicht...
Soweit ich weiß, haben die großen Clubs abwechselnd an bestimmten Tagen (auch unter der Woche) Shangrila, die Rettung kennt diese Einteilung scheinbar und fährt dann die Umgebung der Clubs ab...
@TV-Formate... ich kenne einen Jugendlichen, der da mitgemacht hat... ein Skript, ein ansprechender Geldbetrag für einen Jugendlichen plus Freigetränke an diesem Abend... der Bursch ist jetzt 17, glaub, damals war er überhaupt erst 16...
Das alles zusammen ist nicht mehr das altersübliche Freiheit suchen, Party machen und Grenzen austesten, das wir nonaned auch gemacht haben, sondern geradezu ein (gewinnträchtiges) System... Bewerbung über Internet und Fernsehen, Pauschalangebote und zum Drüberstreuen die Rettung als Alkvergiftungs-Sammeltaxi (wenn die Kids das Glück haben, rechtzeitig gefunden zu werden)
Ganz ehrlich, leichter oder schöner ist es nicht geworden, Jugendlicher zu sein... Aids plus die allgegenwärtige öffentliche Zugänglichkeit von Bedienungsanleitungen haben ihnen die Möglichkeit genommen, relativ unbelastet ihre ersten aufregenden Erfahrungen zu machen, und nun wird ihnen auch noch auf's Aug gedrückt, wie man "feiert"... wenn man heute einen Kick erleben will, geht das fast nur mehr mit dem Schritt ins Illegale, weil alles, was Jugend und Ausbrechen in die Selbständigkeit früher ausgemacht hat, öffentlich ausgelebt wird (werden muss)
Wenn das so weitergeht, landen wir irgendwann bei Verfahren wie in den Staaten, wo Alkolenker in die Prosektur geschleppt werden, damit sie einmal begreifen, was sie anrichten (können)...
G'scheiter ist es daher, denen, die davon profitieren, auf die Finger zu klopfen, und Initiativen wie diese zu unterstützen und damit vielleicht langsam, aber doch zur Bewusstseinsbildung allgemein und zum Nachdenken im konkreten Einzelfall beizutragen... Jugendliche, die das quasi auf Augenhöhe vermitteln können, dafür zu gewinnen, ist mMn der richtige Weg...
LvG,
_pantera_